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Präklinische Entwicklung eines resistenzfreien Antibiotikums für die Therapie tödlicher Infektionskrankheiten

Mit der neuen Hightech-Strategie „Innovationen für Deutschland“ hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, Ideen aus der Forschung noch schneller in innovative Produkte, Dienstleistungen und Innovationen für die Gesellschaft zu überführen. Dafür muss die Brücke zwischen akademischer Forschung und ihrer wirtschaftlichen Verwertung bzw. gesellschaftlichen Anwendung weiter gestärkt werden. Die Fördermaßnahme "Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP+" setzt hier an und unterstützt Forscherinnen und Forscher dabei, Forschungsergebnisse systematisch zu validieren und Anwendungsbereiche zu erschließen.
Antibiotika-resistente Keime fordern weltweit jährlich ca. 700.000 Todesopfer. Grund für die Resistenzbildung ist das Wirkprinzip der Antibiotika: Bakterien teilen sich und es kommt dabei zu spontanen Mutationen, die die zellulären Angriffsziele der Antibiotika so abändern, dass diese wirkungslos werden. Genau diese Keime überleben bei der Therapie und werden so selektioniert. Zusätzlich wird durch immer mehr Antibiotikaverabreichung auch die Geschwindigkeit der Resistenzausbreitung erhöht, weil die Mehrheit der zugelassenen Antibiotika hauptsächlich nur drei essentielle Ziele in Bakterien adressiert: die Zellwand-, die DNA- und die Proteinbiosynthese. Dieses sehr begrenzte Spektrum hat zur Folge, dass Bakterien ihre Resistenzen schnell miteinander austauschen und so multiresistente Keime entstehen.

Ein Forschungsteam der TU München hat einen Wirkstoff entdeckt, der die Schwachstellen gegenwärtiger Antibiotika überwinden kann. Dieser Wirkstoff leitet sich von einem Krebstherapeutikum ab und wurde chemisch für die Antibiotika-Anwendung optimiert. Es zeigte sich, dass dieser Wirkstoff auch Bakterien effektiv abtöten kann, die bereits gegen verschiedene Antibiotika resistent sind. Den Wissenschaftlern gelang es nun diesen antibiotischen Effekt noch einmal deutlich zu steigern. Die entwickelte Substanz tötet Bakterien sogar besser als zugelassene Reserveantibiotika und ohne jegliche Resistenzentwicklung über mehrere Wochen, während klassische Antibiotika bereits nach wenigen Tagen vollständige Resistenz bei Bakterien auslösen. Im Validierungsvorhaben soll nun auf dieser Basis die Entwicklung eines Antibiotikums zur Behandlung der Entzündung der Herzinnenhaut realisiert werden. Im Anschluss an das Validierungsprojekt ist eine gemeinsame Medikamentenentwicklung mit Industriepartnern oder eine Ausgründung geplant.