Neue „Herzhose“ soll das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle reduzieren

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Brandenburg entwickeln im Rahmen der Fördermaßnahme VIP+ im Projekt „AngioAccel“ das patentierte Antepulsations-Verfahren.

Neue Herzhose soll Risiko für Herzinfakte reduzieren (Meldung 01.03.2018)
Mit der Behandlungsmethode soll präventiv und therapeutisch die Regenerationskraft der Gefäße aktiviert werden.© Medizinische Hochschule Brandenburg

Bei der Antepulsation wird mit Hilfe von EKG gesteuerten Beinmanschetten mittels einer modifizierten „Herzhose“ der Blutfluss in die Beine patienten-individuell erhöht und somit Durchblutungsstörungen entgegengewirkt. Das Ziel ist die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen zu reduzieren.

Weltweit leiden ca. 202 Millionen an schweren Durchblutungsstörungen in den Beinen. Rauchen und Diabeteserkrankungen sind die Hauptverursacher für das Auftreten der sogenannten peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Aufgrund der oft charakteristischen Schmerzen beim Gehen und dem häufigen Zusammenhang mit dem Rauchen wird die pAVK auch als „Raucherbein“ oder als „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet, weil die Betroffenen aufgrund der starken Schmerzen immer wieder stehen bleiben müssen, bis die Schmerzen abgeklungen sind. Viele kaschieren das Problem, indem sie einen Schaufensterbummel simulieren.

Die pAVK geht fast immer auf eine Verkalkung der Gefäßwände, die sogenannte Arteriosklerose, zurück. pAVK-Patienten haben ein bis zu 60 Prozent erhöhtes Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.

Die Zahl der Beinamputationen durch pAVK steigt dramatisch

Körperliche Betätigungen und sportliche Aktivitäten sind eigentlich das beste Mittel, um den schweren Durchblutungsstörungen vorzubeugen. Jedoch scheitern pAVK-Patienten oftmals an ihrer eingeschränkten funktionellen Kapazität, die es bei vielen Patienten verhindert, auch nur ansatzweise aktiv zu trainieren. Häufig ist die Erkrankung so weit vorangeschritten, dass sogenannte no-option Patienten verbleiben, die dann weder einer Intervention noch einer Bypass-Operation zugeführt werden können. In dieser Patientenkohorte ist die Amputation die einzige verbleibende Therapiemöglichkeit. In Deutschland werden in Folge der pAVK jährlich rund 60.000 Amputationen vorgenommen. Schätzungsweise 85 Prozent dieser Eingriffe wären bei rechtzeitiger Therapie vermeidbar.

Neue Behandlungsmethode zur Senkung der Durchblutungsstörungen

Die Kosten für eine Versorgung der Patienten, bei welcher zusätzliches, qualifiziertes Überwachungspersonal notwendig ist, sind sehr hoch. Mit der Entwicklung der „Herzhose“, einem einer Hose ähnlichem Anzug, der wie ein Herz rhythmisch pumpt,  gelang den Wissenschaftlern der Medizinischen Hochschule Brandenburg nun eine nicht-invasive, nicht-operative und personalisierte Behandlungsstrategie, welche die bei der pAVK auftretenden peripheren Durchblutungsstörungen und damit einhergehenden Schmerzmuster, eliminieren kann. Es handelt sich dabei um EKG gesteuerte Beinmanschetten, welche das Blut in die Beine pumpen, wodurch der Blutfluss beschleunigt wird. Mit der Behandlungsmethode soll präventiv und therapeutisch die Regenerationskraft der Gefäße aktiviert werden. Dieser Vorgang wird als Ausbildung des „biologischen Bypasses“ bezeichnet. Das Pulsieren der Beinmanschetten simuliert dabei die Wirkung des körperlichen Trainings auf die Arterien, wodurch die Gefäßbildung angeregt wird und steigert damit die Gesundheit, Fitness und Lebensqualität der Patienten.

Im VIP+ Vorhaben „AngioAccel“ wollen die Wissenschaftler nun die technische Validierung der Herzhose in einer klinischen Studie (Antepuls-1) an pAVK Patienten durchführen, um das AngioAccel-System für die Anwendung zu optimieren.  Das Prinzip von „AngioAccel“ ist weltweit einzigartig, da erstmals eine nicht-invasive Möglichkeit der pAVK Behandlung besteht und somit alle Risiken invasiver Verfahren entfallen. Die Herzhose-Therapie soll die Gehstrecke der Patienten signifikant steigern und diesen so die Möglichkeit geben wieder selbstständig zu trainieren. Nach erfolgreicher Validierung soll die patentierte Herzhose-Therapie zunächst in regionalen Behandlungszentren angeboten werden. Zudem hoffen die Wissenschaftler auf die Zulassung des Therapieverfahrens auf dem internationalen Medizinmarkt.

Weitere Informationen

Bundesministerium für Bildung und Forschung: Herzhose kann leben retten (01.302018)